Entwicklung in Beziehung

Emergetik: Wie entsteht Neues?

Emergetik fragt, wie Entwicklung im Miteinander entsteht. Was wir körperlich erleben, wie wir eine Situation verstehen und wie andere auf uns antworten, beeinflusst sich gegenseitig.

Von Christoph Jan Kramer

Mehrfarbiges Emergetik-Zeichen mit ineinanderliegenden Formen.
Das Emergetik-Zeichen verbindet die Farben der zehn Haltungen.

Der Grundgedanke

Wenn eine gemeinsame Idee entsteht

Ein Gespräch kann eine Idee hervorbringen, die vorher niemand allein hatte. Dieses Entstehen einer neuen Qualität nennen wir Emergenz. Die Emergetik untersucht, welche Bedingungen solche Entwicklungen begünstigen und was sie behindert.

Unsere Haltung prägt, was wir wahrnehmen und für möglich halten. Sie gibt Erfahrungen eine vertraute Ordnung. Passt eine neue Erfahrung nicht dazu, kann diese Ordnung fraglich werden. Daraus folgt noch keine Veränderung: Manchmal braucht es erst wieder Sicherheit.

Ein Blick in den Alltag

Was verändert die Begegnung?

Die Situation

Ein Kind schweigt in der großen Runde. Beim Bauen mit einem anderen Kind kommt ein Gespräch zustande.

Die Frage

Was erleichtert ihm das Sprechen? Die kleinere Gruppe oder die gemeinsame Tätigkeit?

Der nächste Versuch

Wir bieten erneut eine kleine Spielsituation an und beobachten, ob das Kind sie aufgreift.

Die Beobachtung gibt einen Anhaltspunkt. Ob unsere Vermutung passt, zeigt sich erst an weiteren Antworten des Kindes.

Was bedeutet Resonanzintelligenz?

Resonanzintelligenz bezeichnet in der Emergetik die wachsende Fähigkeit, Unterschiede zwischen körperlichem Erleben, innerer Bedeutung und sozialem Geschehen wahrzunehmen und ihre Wechselwirkungen mitzugestalten. Eine Antwort des Gegenübers kann dabei verändern, wie wir selbst weiterhandeln.

Im frühen Leben wird das in gemeinsamer Regulation anschaulich: Ein Kind wird langsamer, die Bezugsperson bemerkt es und nimmt ihr Tempo zurück. Ob das hilft, zeigt die folgende Antwort. Resonanzintelligenz ist hier kein Messwert für eine einzelne Person.

Was unterscheidet die emergetische Perspektive von einer Methode?

Die Emergetik gibt keine für alle Situationen passende Abfolge von Handgriffen vor. Sie richtet die Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang, in dem eine Handlung sinnvoll wird. Im pädagogischen Alltag prüfen wir deshalb auch das eigene Tempo, die Umgebung und unsere Erwartungen. Die vier Haltungen in der pädagogischen Begleitung machen das konkret.

Weiterdenken

Resonanz: Antworten verändern das Gespräch

Eine Antwort kann mich überraschen und meine nächste Frage verändern. So bin ich selbst an dem beteiligt, was zwischen uns entsteht. Auch meine Gefühle geben Hinweise darauf, wie ich die Begegnung erlebe; sie erklären noch nicht, was mein Gegenüber empfindet.

In der emergetischen Pädagogik prüfen wir deshalb die eigene Unterstützung an der Reaktion des Kindes. Die Emergetik entwickle ich gemeinsam mit Martin Permantier und Susanne M. Zaninelli. Unsere Texte und Seminare findest du auf der gemeinsamen Website.

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