Gefühle verstehen

Fühlen. Mit Emotionen arbeiten.

Fühlen verbindet körperliches Erleben mit unseren Erfahrungen und der Situation, in der wir uns befinden. Wenn wir Gefühle genauer unterscheiden und passende Worte finden, können wir verständlicher darüber sprechen. Darum geht es im Buch „Fühlen. Mit Emotionen arbeiten“.

Von Christoph Jan Kramer

Eine Frau legt die Hände an Brust und Bauch; Christoph Jan Kramer steht ihr mit offener Hand gegenüber. Weiße Origami-Figuren.
Gefühle werden im Austausch besprechbar.

Körper, Erfahrung und Kontext

Wie verstehen wir Gefühle?

In unserem Buch „Fühlen. Mit Emotionen arbeiten“ betrachten wir, wie körperliches Erleben und persönliche Erfahrungen unser Fühlen prägen. Auch die Sprache, die uns dafür zur Verfügung steht, und die Situation, in der wir uns befinden, wirken daran mit.

Wir unterscheiden im Buch zwischen emotionalen Regungen und Gefühlen, die bereits benennbar geworden sind. Die Worte dafür müssen zum eigenen Erleben passen. Was ich als Ärger erkenne, kann sich für mein Gegenüber ganz anders anfühlen.

Ein Moment zum Erkunden

Vom Spüren zum Gespräch

  1. 01 · Wahrnehmen

    Wo spüre ich die Anspannung? Was ist kurz davor geschehen?

  2. 02 · Worte suchen

    Welches Wort trifft mein Erleben? Vielleicht sind mehrere Gefühle zugleich da.

  3. 03 · Verständlich werden

    Was davon möchte ich mitteilen? Ich kann auch sagen, dass mir noch die Worte fehlen.

Feiner unterscheiden

Emotionale Granularität

Emotionale Granularität bezeichnet die Fähigkeit, Gefühle fein zu unterscheiden und zu benennen. Enttäuschung weist auf eine nicht erfüllte Erwartung hin. Bei Überforderung stellt sich eher die Frage, was gerade zu viel ist. Die Unterscheidung kann ein Gespräch genauer machen.

Welche Gefühlswörter uns vertraut sind, hängt auch mit unserer Haltung und unseren Beziehungen zusammen. In der Begleitung von Kindern können wir ein Wort anbieten und fragen: „Passt das?“ Ob es passt, entscheidet sich am Erleben des Kindes.

Wie lassen sich Gefühle im Alltag begleiten?

Wir können zunächst beschreiben, was wir wahrnehmen: „Du legst die Schaufel weg und drehst dich um.“ Dann bieten wir vorsichtig ein Wort an: „Bist du enttäuscht?“ Die Antwort darf unsere Vermutung verändern. Ein abgewandter Blick allein verrät noch nicht, was jemand empfindet.

Auch ein Kind, das wenig oder gar nicht lautsprachlich spricht, braucht Möglichkeiten für Widerspruch, Hilfe oder eine Pause. Bilder, Gebärden und verlässliche Antwortzeit können dabei helfen. Welche Unterstützung passt, erkunden wir mit ihm. Beispiele für diesen Umgang findest du bei der Selbstorientiert-impulsiven Haltung.

Kann dasselbe Gefühl aus unterschiedlichen Haltungen entstehen?

Die Haltung beeinflusst, was uns in einer Begegnung bedeutsam erscheint. Ärger kann etwa mit einem verhinderten eigenen Vorhaben oder mit einer als unfair erlebten gemeinsamen Regel zusammenhängen. Das Gefühlswort allein erklärt diesen Unterschied noch nicht. Wir fragen nach der konkreten Situation.

Buchcover Fühlen. Mit Emotionen arbeiten

Im Buch vertiefen

Fühlen. Mit Emotionen arbeiten

Das Buch stellt 22 Gefühle aus unterschiedlichen Haltungen vor. Gemeinsam geschrieben mit Martin Permantier und Susanne M. Zaninelli.

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